Von Alexa bis WhatsApp: Das waren die Zehnerjahre


Handys waren etwas für Angeber, ins Internet kam man nur piepsend und krächzend per Modem - das waren die 90er. In den Nullerjahren brachen die WLAN-Zeiten an, das Smartphone kam auf. Und nun sind auch schon die Zehnerjahre vorbei, in denen iPhone, Emojis, Instagram, Snapchat, Spotify, WhatsApp und Sprachassistenten wie Alexa einen Siegeszug antraten.

Die Zehnerjahre, das war auch das Jahrzehnt eines langen Konjunkturhochs zumindest in Deutschland, andererseits aber auch eine Dekade, die geprägt war von Terrorangst mit Anschlägen etwa in Paris und Nizza und auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin. Während die sogenannten Nullerjahre mit dem 11. September 2001 und den Terroranschlägen in den USA recht eindeutig zu Beginn einen prägenden Tag hatten, kommen bei den Zehnerjahren mehrere epochemachende Daten infrage.

Da wären zum Beispiel der 11. März 2011, als in Japan ein gewaltiges Erdbeben einen tödlichen Tsunami auslöste sowie der 4. September 2015, als zunächst hunderte Flüchtlinge mit Erlaubnis der Bundeskanzlerin aus Ungarn nach Deutschland kamen. Außerdem der 23. Juni 2016 als Tag des Brexit-Votums oder der 9. November 2016, als nachts überraschend der Immobilien- und TV-Promi Donald Trump als Sieger der US-Präsidentenwahl feststand.

Streaming-Dienste boomen

Im Fernsehen gilt als Sieger des Jahrzehnts ein alter Bekannter: der Sonntagskrimi "Tatort", der in ungeahnte Quotenhöhen kletterte. Daneben stiegen US-Serien, die als das neue Erzählmedium schlechthin gelten, weltweit im Ansehen. Streaming-Dienste wie Netflix wurden wichtiger. Das sogenannte Binge-Watching (Komagucken vieler Folgen am Stück) breitete sich aus. Liveshows zogen dagegen weniger. Das ZDF stellte 2014 nach 33 Jahren den Samstagabend-Klassiker "Wetten, dass..?" ein.

Beim Essen und Trinken wurden die Leute immer wählerischer. Milch, Laktose, Gluten, Fleisch, Zucker, Alkohol – alles bei vielen hoch umstritten. Einerseits wurde viel über vegetarische Ernährung oder komplett tierproduktfreien Veganismus geschrieben und gesprochen, andererseits boomten Burger-Lokale und aufwendige Grillgeräte für den Garten und Balkon. Bei Getränken wurde Craft Beer wie zum Beispiel IPA (Indian Pale Ale) zum Trend. Wer verreiste, buchte seine Unterkunft womöglich beim Internet-Marktplatz Airbnb und schlief in Privatwohnungen statt Hotels.

Fitness-Tracker im Trend

Gesundheit war ebenfalls ein Megathema. Fast jeder schien plötzlich einen Fitness-Tracker zu tragen, um Puls, Schlaf oder gelaufene Stockwerke zu kontrollieren. Das Rauchen wurde immer uncooler, auf den Zigarettenpackungen tauchten ekelige Bilder zur Abschreckung auf, mancher stieg aufs Dampfen oder E-Zigaretten um. Für saubere Luft und gegen zu langsame Maßnahmen gegen den Klimawandel demonstrierten viele Jüngere bei den "Fridays for future".

Modisch kamen T-Shirts mit Slogan zurück und Knöchel erlebten als neues Dekolleté an hochgekrempelten Hosen ihre Entdeckung. Der neue Menschentypus Hipster war ein Phänomen. Viele Großstadtmänner zeigten sich gern mit einem Bart als besonders unweiblich. Andererseits wurden Geschlechter immer fluider, wie zum Beispiel Conchita Wurst als bärtige Dragqueen zeigte.

Das Smartphone-Spiel "Pokemon Go" mit virtueller Monsterjagd in realer Umgebung war angesagt, ebenso wie die Klugscheißer-App "Quizduell". Zur Partnersuche oder einfach nur für Sexdates setzten sich mobile Dating-Apps durch. Bei Tinder sortiert man Flirt-Vorschläge nach Attraktivität. Jemand uninteressant? Foto nach links verschieben! Jemand sexy? Foto nach rechts wischen! So einfach schien das zu sein. Mal sehen, wie attraktiv die 2020er Jahre werden.

Von Gregor Tholl, dpa

 

Trends und Phänomene des Jahrzehnts:

Alexa: Amazons Sprachassistent(in) hielt in Haushalten Einzug. Microsofts Cortana, Googles Assistant oder Apples Siri gibt es auch.

Binge-Watching: Das Schauen mehrerer Folgen am Stück (Komagucken) wurde Trend bei Serien von Streamingdiensten wie Netflix.

Crowdfunding: Schwarmfinanzierung brachte Geld für einige interessante Projekte zusammen.

Emojis: Die milliardenfach genutzten Bildchen der digitalen Kommunikation – Einhorn und Co. – wurden zur neuen Weltsprache.

Hochkantvideos: Im Smartphone-Zeitalter und spätestens seit Snapchat oder Instagram Story scheinen sie nicht mehr so schlimm zu sein.

Instagramibility: Wort für Orte, die sich gut für Fotos in sozialen Netzwerken wie Instagram eignen.

Quizduell: Die App mit verschiedenen Frage-Kategorien war eine Zeit lang ein Renner auf vielen Smartphones.

Sprachnachrichten: Trend bei jungen Leuten. Viele Ältere schütteln aber eher den Kopf. Warum nicht gleich telefonieren?

Tik Tok: boomendes chinesisches Videoportal und soziales Netzwerk für Lippensynchronisation zu Musik und andere Kurz-Clips.

Uber: Uber, der Online-Vermittlungsdienst für Fahrer, machte als Taxi-Konkurrenz viele Schlagzeilen.

Vine: angesagte Sechs-Sekunden-Spaßfilmchen und Looping-Videos zum Posten in sozialen Netzwerken.

WhatsApp: Der Messengerdienst wurde für viele Millionen Menschen zum Hauptkommunikationsmittel.

Xennial: Begriff für die zwischen 1977 und 1985 Geborenen, die noch weitgehend eine analoge Kindheit hatten.

19.12.2019, 11:46
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