Verlage in der Corona-Krise: Digital-Abos top, Anzeigen mau


Medien in der Coronavirus-Krise? Hochbetrieb. Der Hunger in der deutschen Bevölkerung nach Information ist riesengroß – die Zugriffe auf die Webseiten von Zeitungen und Zeitschriften sowie hohe Zuschauerzahlen im Fernsehen und beim Streamen zeigen es. Viele Medienhäuser gewinnen zurzeit deutlich mehr Abonnenten speziell für ihre digitalen Angebote im Internet hinzu. Das ergab eine Ende März durchgeführte Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Coronavirus-Krise hat für die Branche aber eine Kehrseite – es geht um den Anzeigenmarkt.

Schon lange richten sich Medienhäuser zunehmend auf den digitalen Journalismus aus. Die Auflagen von gedruckten Zeitungen und Magazinen sind seit Jahrzehnten rückläufig. Erst kamen E-Paper hinzu, also die Zeitungsausgabe digital abrufbar, seit Jahren experimentieren Verlage zudem mit Bezahlschranken und Plus-Abos mit exklusiven Inhalten auf ihren Webseiten. Das soll den Printverlusten etwas entgegensetzen. Die Coronavirus-Krise wirkt sich für den digitalen Journalismus momentan positiv aus, wie die Umfrage zeigt.

Deutlich höhere Vertriebserlöse

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat "deutlich steigende Abschlussquoten" bei seinem Digital-Abo "Spiegel+". Man sei zuversichtlich, dass sich die ersten positiven Anzeichen der starken Nachfrage nach Berichterstattung verstetigen, teilt der Verlag mit. Die Madsack Mediengruppe – zu ihr gehören 15 Zeitungstitel, darunter "Hannoversche Allgemeine Zeitung" und "Märkische Allgemeine" – bemerkt einen "signifikanten Anstieg" der +Abos bei allen Tageszeitungsmarken. Die Mediengruppe bilanziert: "Die derzeit hohen Zuwachsraten beim Abschluss von Digital-Abos führen aktuell zu deutlich höheren Vertriebserlösen."

Der Medienkonzern Axel Springer verzeichnet ebenfalls einen "deutlichen Anstieg" der Abo-Abschlüsse bei den Digitalangeboten "BILDplus" und "WELTplus". Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der überregionalen "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" – vom Verlag heißt es: "Die Angebote der "F.A.Z." erfahren auf digitalen Kanälen massiven Zuspruch und wachsen mit enormer Dynamik." Das Digital-Abonnement "F+" sei "auffallend stark gewachsen". Der Verlag reagierte bereits auf diesen Trend: Er senkte den wöchentlichen Preis für das digitale Abo.

Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) fasst für die Branche zusammen: "Der Verkauf von digitalen Produkten wächst seit Jahren, jetzt jedoch überproportional. Das kann man sicherlich Corona zurechnen."

Rückgänge am Werbemarkt

Ein völlig anderes Bild ergibt sich bei dem wichtigen Standbein Werbemarkt für die Verlage. Die regionale Tageszeitung "Lausitzer Rundschau", die auch steigende Online-Zugriffe verzeichnet, rechnet mit starken Rückgängen. Vom BDZV-Verband heißt es: "Auf Nachfrage haben uns unsere Mitgliedsverlage signalisiert, dass das Anzeigengeschäft stark eingebrochen ist und weiter einbrechen könnte." Stornierungen gibt es demnach neben dem Eventbereich auch von Gastronomie und dem klassischen stationären Einzelhandel – der Lebensmittelhandel ist weitgehend ausgenommen.

Der Springer-Konzern bemerkte Stornierungen bereits gebuchter Kampagnen. "Gleichzeitig gibt es viele Werbekunden, die nach wie vor großen, wenn auch veränderten Kommunikationsbedarf haben." Das Medienhaus versucht, mit flexiblen Angeboten und Aktionen darauf zu reagieren. Auch der Bertelsmann-Konzern, zu dem das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr und auch RTL gehören, verzeichnete jüngst bereits Anzeigenrückgänge, wie er bei der Jahresbilanz erläuterte.

Bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kommen Stornierungen und ausbleibende Buchungen etwa aus den Branchen Luftfahrt, Kunst, Kultur, Tourismus, Lifestyle und Luxusmarkt. Zugleich sieht der Verlag diesen Effekt: "Auf der anderen Seite investieren die öffentliche Hand, Telekommunikation und Finanzdienstleister in kommunikative Sondermaßnahmen.“ Die dpa-Umfrage ergab auch, dass viele Verlage noch nicht absehen und einschätzen können, wie groß die Folgen in der Werbemarktentwicklung sein werden.

06.05.2020, 09:59
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